Der Künstler

 

Prof. Dr. Dr. Peter Antes

Moderiertes Gespräch zur Situation in Syrien bei der Eröffnung der Ausstellung "Das brennende Land" im Haus der Region Hannover am 10. September 2014

Ziad El Kilani stammt aus Syrien und lebt als Künstler seit vielen Jahren in Deutschland. Fern von der Heimat lassen ihn die Ereignisse dort nicht in Ruhe. „Das brennende Land“ – so der Titel der Ausstellung – bewegt ihn zutiefst. Er leidet unter dem Bürgerkrieg dort, am meisten bedrückt ihn das Leid der notleidenden Zivilbevölkerung.

Unter Beschuss 2014 "Unter Beschuss", Ziad El Kilani, 2014

Seine Gemälden und Radierungen stellen dieses unsägliche Leid dar und zeigen es mit seinen vielen Facetten: Kinder, die von Bomben verwundet oder getötet werden, Erwachsene, die erschossen werden, Gefangene und Menschen auf der Flucht vor dem Grauen, die alleine oder mit ihren Kindern einen sicheren Ort suchen, in einem vom Krieg gezeichneten Land, umgeben von Ländern, die zuschauen, ohne einzugreifen. Die Bilder sind ein einziger Aufschrei von Verzweifelten, die sich allein gelassen fühlen. Sie sind eine Anklage gegen die Akteure wie gegen die ungerührt oder hilflos Zuschauenden. In all diesen Bildern wird das Leid der namenlos unschuldigen Opfer: Männer, Frauen, Kinder deutlich, die in der Berichterstattung über „das brennende Land“ kaum vorkommen, obwohl sie die eigentlichen Opfer in diesem Bürgerkrieg sind und zwischen allen Fronten zu überleben versuchen.

Der Heckenschütze 2014 "Der Heckenschütze", Ziad El Kilani, 2014

Die Bilder rühren alle an, die sie betrachten. Nicht wenige werden vor ihnen fliehen, auf keinen Fall werden es die meisten lange vor ihnen aushalten, weil ihre Botschaft unerträglich und kaum auszuhalten ist. Es ist die Realität des Krieges, wie er wirklich erlebt wird. Das Leid eines jeden Einzelnen, fernab von der Rhetorik von Siegern und Besiegten. Was hier gezeigt wird, gilt für alle Kriege. Dessen sollen wir uns 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges und 75 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erinnern. Alle Kriege bringen das Leid über die Menschen, das hier am Beispiel der gegenwärtigen kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien – stellvertretend für all die anderen Kampfgebiete – gezeigt wird. Deshalb bleibt nur die eine Hoffnung, daraus zu lernen und Frieden zu schließen, damit alle: Männer, Frauen und Kinder, Junge und Alte, religiös eingestellte wie nicht religiöse Menschen in Frieden miteinander leben können.

Prof. Dr. phil. Dr. theol. Peter Antes
Religionswissenschaftler an der Leibniz-Universität Hannover