Der Künstler

 

Wilfriede Ehrenheim

Freie Autorin, Frankfurt im November 2005

Auf dem Bild "Mädchen mit Fischen" steht ein dunkelhäutiges Mädchen am Strand, dem Blick des Betrachters zugewandt. Im Hintergrund ist die Weite des Meeres und darüber der weiß bewölkte Himmel zu sehen. Mit gesenktem Blick posiert das Mädchen für das Auge einer Kamera oder das des Malers. Auf dem Kopf trägt sie einen Teller mit rosafarbenen Fischen, in der Hand hält sie seinen Haken, an dem drei ebenfalls rosafarbene Fische hängen. Das Motiv zeigt uns eine Fremde, nicht vertraute Welt, die in nahezu allen Motiven El Kilanis zu entdecken ist. Die abgebildeten Menschen, die Landschaft, die Situationen, in denen die Personen dargestellt sind, sind aus einem anderen Kulturkreis, Ziad El Kilani stammt aus Syrien. Die fremden Figuren, meist in der Mitte des Bildes plaziert, stehen vor uns, zum Greifen nahe. Ohne aufdringlich oder provikativ zu sein, sind sie von starker Präsenz. Wir betrachten sie mit einem Gefühl der Zurückhaltung, des gebührenden Abstandes, der Achtung, als ob wir durch einen zu neugierigen oder voyeuristischen Blick stören könntent. Die Menschen, die El Kilani darstellt, sind nicht heiter und unbeschwert, sie wirken melancholisch, zum Teil tragisch und erzählen von einem nicht leichten Leben in der Ferne. El Kilanis Biler entrücken uns aus dem Alltag, wie in einem Traum, der uns eine Wirklichkeit erfahren lässt, parallel zu der materiellen Welt, die uns umgibt.

Das Bild "Die Flucht" zeigt einen Vater, der seine beiden kleinen Kindern, die er unter den Arm geklemmt hat, in Sicherheit zu bringen. Wir erfahren nicht, wovor er flieht oder wohin. Die Momentaufnahme einer Flucht, ähnlich einer Medienfotografie wird uns gezeigt. Die dazugehörende Geschichte kennen wir nicht, vielleicht versuchen Sie in einem Gespräch mit dem Künstler zu erfahren. Sonst können wir uns die Gründe für das "nicht leichte Leben" in der Ferne nur zusammenreimen. Spannender ist bestimmt, in den Dialog zu treten und die individuellen Geschichten der Bilder zu erfahren.

Das Bild "Am Strand" zeigt zwei Menschen, die im knöcheltiefen Meerwasser gelb blühende Pflanzen pflücken, ihre Kleidung ist farbenfroh, die Lichtatmosphäre warm und freundlich. In der Einfachheit der dargestellten Tätigkeit, dem warmen Licht und der Meeresnähe liegt vielleicht doch ein Stück "leichtes Leben", was unserem Leben fremd ist oder fremd geworden ist.

El Kilani komponiert seine Bilder klar und einfach, so dass sie den Blick des Betrachters zum konzentrierten Schauen einladen. Gemalt sie sie in lichten, heiteren Farben. Figur und Hintergrund bilden ein harmonisches Ganzes, vereint durch die Malweise und die Farbgestaltung. Der Farbauftrag ist reichhaltig und der Duktus lebhaft, malerisch gekonnt.

El Kilani malt gegenständliche Bilder aus seiner Heimat, seiner Kindheit, seiner Erinnerung, die uns vom Motiv fremd sind, seine Malweise ermöglicht uns sie in gewohnter Sehweise zu lesen.

Werfen Sie noch ein Blick auf El Kilanis Radierungen, hier begegnen uns, mit Linien skizzenhaft gerissen, Figuren, die ebenso eindringlich präsent sind, wie die Figuren der Ölbilder. Mit rascher, spontaner Linienführung lässt El Kilani die Figuren aus einem fleckenhaften Bildhintergrund entstehen. Die Farbenteppiche, die den Bildhintergrund ausmachen, erinnern an morbide, vegetabile Zusammenhänge, die eine eher düstere Atmosphäre ausstrahlen.

Ich wünsche Ihnen eine intensive Begegnung mit Ziad El Kilanis Bildern und vielleicht auch mit dem Künstler selbst.